Reisebericht 2016

Es ist Herbst 2017

Ich habe mir einen Hafentrailer gekauft, einen alten Traktorenhänger, auf den mein Bootgenau passt.

So konnte ich am Schnatermann aus dem Wasser gehen. Jetzt stehe ich auf unserem kleinen, von Hecken geschützten Parkplatz und habe alle Zeit der Welt für die Winterarbeiten. Vorher bin ich mit dem Museumshafen auf der Haedge-Halbinsel aus dem Wasser gegangen. Ein kalter, windiger Platz.

Winterarbeiten: Und die haben es in sich!! Eine kleine Faulstelle, schon im letzten Jahr beobachtet: der Ablauf aus der Plicht - eine Kleinigkeit, dachte ich. Der Umstand ist nur, dass ich zuerst die Steuersäule mit Steuerhydraulik,elektrischer Kontrolltechnik und mechanischer Motorenschaltung abbauen musste. Danach war die Bodenplatte in der Plicht auszubauen.

Jetzt komme ich an die Faulstelle und die ist größer als gedacht. Stechbeitel, Stichsäge, Karosseriesäge ran. Ursache erkannt: Der Ablauf von der Sitzbank war nicht richtig an den Plichtablauf angeschlossen. Kleine Ursache - große Folgen!

23.11. Heute habe ich mich entschlossen, auch noch den Dieseltank auszubauen, um mehr Platz und Baufreiheit zu haben. Also erst einmal Diesel abpumpen und dann den Tank raus. Danach: Stechbeitel, Stichsäge, Karosseriesäge.

 

Ach und ich bin Mitglied in der Kreuzer-Abteilung geworden! Ich hoffe auf Anregungen, insbesondere zum besseren kreuzen ;-) Das ist auf der "Hanse Boot" passiert.

 

20.01.2018  Ein Problem war das Sperrholz für die Reparatur zu besorgen. Entweder man kann ganze Sperrholzplatten kaufen, obwohl man nur kleine Stücken braucht, und hütet dann mit dem Rest. Oder man geht zu Bootsbauern, die aber auch kein Sperrholz vorhalten. Oder man kauft im Internet Stücke, die dann genau so teurer sind als ganze Platten beim Großhändler.

Die Lösung war für mich das Polyester-Zentrum Lübeck. Zunächst etwas sonderbar, der Internetshop ist total veraltet, am Telefon hieß es: komm einfach her, dann schneiden wir dir die Stücke raus. Kurz gesagt: zuerst haben wir in den dort vorhandenen Resten gesucht, dann weitere Stücke aus Platten herausgeschnitten. Der Preis: benötigtes Stück x Preis/m 2. Also merken: Polyester-Zentum Lübeck!

Die Vorbereitung dieser Segel-Saison hatte es in Sich!

Ich hatte eine faule Stelle im Rahmen des Plichtbodens am Wasserablauf entdeckt und wollte diesen sanieren. Das heißt: Steuersäule mit allen Verbindungen abbauen, Plichtboden ausbauen und loslegen. Die Faulstelle dehnte sich aber bis hinter den Dieseltank aus; also auch den ausbauen. Jetzt hatte ich Baufreiheit, aber die Kälte ließ ein Einkleben der Passteile nicht zu.

Also erst einmal den neu erworbenen Kleingarten mit Laube auf Vordermann bringen.

Am Ende konnte pünktlich Ende April gekrant, der Mast gestellt und alles wieder segelklar gemacht werden. Auf die Schönheit kam es in diesem Jahr nicht an, die erste Reise war für den 10. Mai mit Freunden in die Schlei angesetzt.

Aufregend wurde es noch einmal als der Motorenschlosser „Rübe“ bei einer Routinewartung der Einspritzdüsen defekte Gewinde entdeckte und diese sanieren musste. Aber auf „Rübe“ (Rüdiger Albrecht) ist Verlass. Am 10. Mai lief der Motor sauber und trocken.

10.Mai: 6 Uhr Ablegen Richtung Fehmarn-Belt Brücke, Heiligenhafen. Ab 10 Uhr schien die Sonne, allerdings kam der Wind genau von vorn. So konnten wir den Motor gleich mal testen (und die Seefestigkeit meiner Mannschaft, meinen Matrosen Rainer und Volker).

Die kleine Marina östlich des Stadthafens hat uns sehr gefallen, waren wir doch mitten in der Stadt und nahe der Restaurants. Der erste Segeltag der Saison soll doch stilvoll ausklingen, allerdings dann bei sinnflutartigem Regen, trocken in der Kneipe.

11. Mai: Nochmal hatten wir ca. 40 sm bis Schleimünde zurückzulegen, also wieder früh raus.

15 Uhr kamen wir dann in Schleimünde an, kurz nachdem Rainer Wäsch (sailing-rainer) mit seiner „Antje“ und Gert dort eingelaufen waren. Neben Ihnen war noch ein Platz frei und so kam das Treffen (Nordsee trifft Ostsee) auch gleich direkt zustande.

12. Mai: Weiter geht die Reise nach Haitabu, das Ziel der Reise mit meinen Matrosen, Rainer und Volker (Steg des Segelvereins Fahrdorf). Der Bildungs- und Kulturteil beginnt Wir besuchen Museum und Siedlung und wandern um das Noor und beenden die Bildungsreise auf Wikingerart in der Traditionsgaststätte „Odin“.

Am nächsten Tag verlässt uns Rainer (zuhause warten 80 Küken und weiteres Vieh. Volker bleibt noch einen Tag, den wir mit Ankern bei Missunde, Baden, Sonnen und Faulenzen verbringen.

Nachdem ich Volker wieder nach Fahrdorf zum Bus gebracht habe, geht es wieder auf einen Ankerplatz auf der „Großen Breite“. Die Schlei ist wirklich ein super abwechslungsreiches Familienrevier, wo man sich immer einen geschützten Ankerplatz suchen kann und ein Restaurant ist auch nicht weit, mit dem Schlauchboot zu erreichen.

Allerdings reagieren einige Schleianreiner seltsam, als ich einen Stammlieger nach der Tauchtiefe am Liegeplatz frage, zuckt er die Achseln und verweist mich auf die Seekarte; als wir die Kellnerin eines Restaurants am Schleiufer nach Hornhecht fragen, glaubt sie, wir machen einen Scherz. Bei dem Hinweis Fisch mit grünen Gräten, sagt sie: sowas gibt es hier nicht. In Kappeln essen wir dann Hornfisch aus der Schlei. Aber sonst sind die Leute hier sehr freundlich und relaxt.

Am Abend trifft dann auch Rainer am Ankerplatz auf, nachdem er Gert in Kappeln abgesetzt hat. Wir genießen die ruhige Stimmung auf der Schlei, die vorbei ziehenden Boote und die Abendsonne. Mann, haben wir ein Glück mit dem Wetter!

16. Mai: gehen wir auf große Schleifahrt, 2 Std. bis Arnis und legen in der Traditionswerft Matthias Paulsen an. Wir werden freundlich vom Altgesellen begrüßt, der uns schon mal stolz die „Schätzchen“ in der Werfthalle zeigt. Hier liegen mehrere Holzkutter in Top-Zustand hergerichtet, u.a. der A&R Segelkutter „Meteor“. Dann treffen wir den Werftbesitzer, der uns begrüßt und die Gegebenheiten erklärt: Toiletten, Duschen, Müll etc.; In der Werfthalle fotografieren? Na klar, wir müssen nichts verstecken, macht ruhig Reklame für uns!

Am Abend ist „Mittwochregatta“, eine große Teilnahme, 5 Starts und viele Zuschauer an Land, alle kennen sich in der kleinsten Stadt Deutschlands.

Noch ein Wort zu Arnis: Die Wikinger machten auf der unbewohnten Insel Rast auf dem Weg nach Haitabu. 1666 hat Detlef von Rumohr die Herrschaft über die Gegend übernommen und wollte den Eid seiner Untertanen erzwingen (Leibeigenschaft). 62 Familien aus Kappeln verließen daraufhin Kappeln, nachdem der freundliche Herzog Christian Albrecht ihnen die Erlaubnis zum Siedeln auf der Insel erteilte und gründeten den Ort Arnis. Offensichtlich war dies die Creme der Angelsachsen, denn nach kurzer Zeit gab es hier mehr Schiffe als in Eckernförde oder Flensburg. Dazu siedelte sich das entsprechende Handwerk an. Später wurde ein Damm zur Insel erbaut, so dass Arnis sich heute aufeiner HI befindet.

Geblieben ist das Handwerk des Holzbootsbaus, was man an den vielen gepflegten Holbooten sieht.

Übrigens erklärte mir der Altmeister der Matthias Paulsen Werft, dass man Holboote immer wieder zu neuem Glanz verhelfen kann. Das geht mit vielen GFK-Yachten nicht, wenn das Material gealtert ist. Und er scheint Recht zu haben und beweist es mit dem eigenen Boot, an dem er 30 Jahre gearbeitet hat, um es jetzt in Bestzustand zu präsentieren.

17. Mai: Die Schlei verwöhnt uns weiter, der Wind dreht auf West, so dass wir nach Maasholm segeln können. Rainer schreibt, dass wir auf der Schlei schleichen, weil Heidi kommt. Hinter Maasholm ankern wir wieder und fahren mit meinem Schlauchboot an Land, um Maasholm zu erkunden.

Am nächsten Tag geht es zurück nach Kappeln, wo Heidi ankommt, meine Liebe, und über Pfingsten bleibt. So ein tolles Revier und Wetter möchte man doch teilen. Rainer erkundet die Gegend in der Zeit mit dem Fahrrad.

Bevor Heidi kommt starten wir eine Einkaufsorgie. Rainer kauft einen Fotoapparat, den er mit all seinen digitalen Medien vernetzen kann, sogar aus 20m Wassertiefe und ich kaufe mir die Atlassammlung vom NV Verlag für die Ostsee, inkl. CD und App für Handy und PC. Endlich kommt in Deutschland die praktische Lösung an, die es in Finnland und dem Baltikum schon lange gibt.

Ein Muss ist die Bierakademie in Kappeln mit Essen bis zu Abwinken.

18. Mai: Nochmal die Schlei hoch bis Lindaunis, Ankern, Sonnen, Relaxen mit Heidi und Boote gucken, am Steg in Arnis Hafenkino vom Feinsten. Eine moderne 50 Fuss-Yacht, die Frau am Vorstag, der Mann am Ruder, Verständigung mit Schreien, hat schon drei Ehrenrunden gedreht, Bug- und Heckstrahlruder, hecktische Kommandos, Frau hält das Boot auf Kommado mal Bb mal Stb von den Pfählen bzw. dem Nachbarboot ab. Das Ganze hat die Länge eines Spielfilms. Was will man mehr, nach einem schönen ruhigen Segeltag auf der Schlei?

Dann gibt es Segler, die mit full speed bei achterlichem Wind an den Stegen vorbei brausen, je moderner, je schneller natürlich und solche, die die Schlei aufkreuzen und sich die Zeit nehmen.

Bis jetzt schreibe ich übrigens rückblickend, weil mein Labtop wieder mal seekrank wurde und mir den Zugriff verweigert hat. Mein PC-Doc gab einige Hinweise, so dass es jetzt holprig geht. Leider kann ich die Fotos noch nicht einstellen. Außerdem fehlt mir die Zeit auf der schönen Schlei.

21. Mai:  Wir sind von unserem Schleitörn zurück in Kappeln, tanken das Boot auf (40 l Diesel) Rainer hat in der Zwischenzeit die ultimative Kneipe gefunde,, "Palette". Die Kellnerin wirkt ein wenig wirr, ist aber sehr nett und geschmackvoll gesteilt. In der Kneipe treffen wir den Patron, loben das Ambiente und er klagt über den Nieddergang der Kneipenkultur: "Die Leute reden nicht mehr miteinander, sondern sitzen nebeneinander und glotzen ins Handy. Wir verabschieden uns von Heidi. Morgen geht es endlich wieder auf die Ossee, leider Wind von Ost, so dass uns nichts anderes übrig bleibt, als den Weg über die dänische Südsee zu finden.

22. Mai: Heute ging es früh los (7.30 Uhr) ich hoffte auf einen Winddreher auf NO, so dass wir Aerö südlich runden können. Aber leider, 20° bei wenig Wind trieben uns durch die dänische Südsee an Svendborg vorbei in die Thuroe-Bucht. Für viele Segler das Ziel, für uns ein Umweg aus der schönen Schlei zum schönen Rügen. Immerhin ist die Wassertemperatur hier 18° C und ich gehe öfter baden.

Richtig segeln geht immer noch nicht, Großsegel und Motor. Immerhin haben wir tolles Sommerwetter und so kommen wir in den Grönsund. Von dort entschließen wir uns zu einem schönen Segeltag vor Möns Südküste, bleiben aber in Klintholm. Nach Rügen/Hiddensee passt der Wind noch nicht. Immer noch Sommer. Sogehen wir einkaufen, um zünftig zu grillen. Gibt es Schöneres?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright © 2011-2015 | schnatermann-segeln.de.