Reisebericht 2017

2017

Langsam nehmen die Pläne für 2017 Gestalt an:

Das Boot ist im Winter im Wasser geblieben und wieder hatten wir kein Eis. Mit zwei kleinen Frostwächtern (Maschine und Toilette) wurde das gesamte Boot über 4°C gehalten.

 

Lehrgang Wattsegeln

Für einen Ostseesegler ist das Segeln in Gezeitenrevieren und erst Recht im Watt ein Graus. Ich segle nun schon 55 Jahre lang, bin auch schon mal über die Nordsee gesegelt, weit weg vom Land, aber ins Watt?

Im letzten Jahr bin ich schon mit sailing-rainer von Bremerhaven nach Helgoland gesegelt und bei ablaufender Tide machte seine Svantje in der Spitze 10 kn unter Segel. Das macht richtig Spaß, zumal man es ja bei dem mitlaufenden Strom gar nicht so merkt.

Wattlehrlingsailing rainer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurz entschlossen hat mich sailing-rainer jetzt zu einem Törn auf der Weser eingeladen. Wattseminar.

Da es draußen sehr wehte, ging es unter Segel Weser-aufwärts in die Hunte nach Elsfleth in den Stadthafen.

 

 

 

Großherzogin Elisabeth und AvontuurLektion 1: Ruhe bewahren! In Elsfleth wird ein weißes Seitenlicht gezeigt. Sonst gibt es Ärger mit dem Hafenwart! Hier wurde mir auch praktisch demonstriert, dass man gegen den Strom ablegt. Eine große Linssen-Motoryacht tat dies nicht und rammte uns und ein weiteres Segelboot. Uns schwappte im Salon der Kaffee aus den Tassen. Im Linssen-Prospekt heißt es: „Linssen Yachts ist heute der Inbegriff für Stahlverdränger …“. Jo.

Danach folgte eine theoretische Unterweisung durch den Besuch des wirklich sehenswerten Schifffahrtsmuseums.

Von dort segelten wir mit der Tide aus der Weser bis zum Fedderwarder Priel und als der Strom kenterte langsam nach „Feddsiel“. Pünktlich zur halben Tide kamen wir an und konnten direkt in den Sielhafen an den Steg der „Soltwatervereinigung“, Interessenvertretung der Wattfahrer, einlaufen.

Lektion 2: Ruhe bewahren! Im Watt muss man manchmal schnell segeln, manchmal aber auch langsam, alles muss passen! Man braucht einen Gezeitenkalender und eine Uhr.

Die pazifische Felsenauster verdrängt die Miesmuschel. Entspannung ist wichtig für den schwierigen Rückweg, diesmal über den Williweg, den Mittelpriel. Wir haben die bewährten Methoden, am Tag mit Friesentorte und abends mit Rum unter Absingen der Seeräuberballade erfolgreich umgesetzt.

 

Parkplatz vor dem Sielhafen

 

 

 

 

 

Soltwater

 

 

 

 

 

 

Niedrigwasser

 

 

 

 

 

 

 

 

Williweg1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Ende habe ich von sailing-rainer das Zertifikat für Wattsegeln bekommen.

Ich habe mit gutem Erfolg bestanden. Ich hätte gern mit sehr gutem Erfolg, bin sogar morgens immer Brötchen holen gegangen,

aber die „Soltwaters“ sind streng!

 

 

Übrigens ist das hier eine sehr schöne Landschaft und ein wahres Naturparadies und die Leute erst, die grüßen auf der Straße! Moin.Route

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Endlich geht es los,

der erste Törn mit eigenem Boot. Am Nachmittag des 18.05. trifft Rainer ein und abends kommt Volker,

als das Lagerfeuer am Schnatermann schon brennt. Nächsten früh soll es 8 Uhr losgehen, wenn möglichAbfahrt

Richtung Rügen/Hiddensee.

Der Wind ist sehr schwach angesagt und teilweise kommt er daher, wohin wir wollen.

Am nächsten Tag würde ein steifer Wind aus West uns schnell voran bringen, aber für

meine beiden Mitsegler soll es eine entspannte Reise werden und allzu viel Seegang

löst den Reflex nach dem Rufen der Seekuh aus. Also lieber bei wenig Wind, zuerst

viel Nebel (teilweise 50-100m Sicht) und dann Sonne, mit Unterstützung des Motors nach Hiddensee.

 

14 Uhr runden wir Darßer Ort, die Sonne scheint, der Bierdurst wird immer größer,

um 19 Uhr sind wir im Yachthafen Kloster fest. Ein wunderschöner Sommertag geht zu Ende,

Marina Kloster

 

leider meist die Fahrt mit Motor. Volker hat Räucheraal satt mitgebracht

 

Wanderung ins Hochland

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag (20.05.) folgt die obligatorische Hiddenseerunde. Vom Hafen Kloster zum Enddorn,

von dort zum Leuchtturm und der Gaststätte „Klausner“, die aus Büchern bekannt ist. Von dort

zum schönsten Kunst- und Gartenrestaurant Hiddensees, der „Hedins Oe“ von Uwe Gohlke und Katrin.

Wir werden herzlich begrüßt, essen Hornfisch, sitzen bei einer Berlinerin am Tisch, die Stimmendeuterin ist und an der Stimme erkennen kann, ob jemand Leberzirrhose oder an Krebs erkrankt ist. Ja, die Leute trifft man auf Hiddensee. Den herben Charme der Hiddenseeer bekomme ich mit, als zwei Damen an der Theke bei Uwe ihre Rechnung bezahlen und einen netten Versuch starten: „Das Essen war sehr lecker“. Uwe herrscht sie an: „was soll der Quatsch -lecker- , sagen sie mir, wie es ihnen geschmeckt hat, oder lassen sie es, was ist lecker?“. Von dort ziehen wir weiter nach Vitte in die Seebühne, ein Puppenspieltheater, es gibt Moby Dick.

Treffen mit Rolli Reekmann

Am 21.05. wollen wir ein Unikum im großen Jasmunder Bodden besuchen, auf der Halbinsel Liddow wohnt Rolli Reekmann, aus Erzählungen von Käpt’n Jimmi Rathge im Rostocker Museumshafen legendär. Ein Retter alter Schiffe. Wir ankern in der Liddower Wiek und fahren mit dem Beiboot zu der Brücke, die auf die Insel führt. Dahinter das Gehöft von Rolli Reekmann mit Blick auf den Bodden, den wir nicht persönlich kennen, der uns aber freundlich empfängt und gleich anfängt, Geschichten zu erzählen. Als wir erklären, dass wir schon am nächsten Tag weiter nach Stralsund segeln, weil Rainer wieder nach Hause muss, gibt es Breitseite von Rolli: Ich hasse es, beim Segeln keine Zeit zu haben und gegen den Wind zu segeln. Ich bekomme noch Tipps, wie ich mit 1,7 m Tiefgang direkt bis zu der Brücke fahren kann, denen ich nicht glauben kann, weil wir uns schon mit dem Beiboot festgefahren hatten und Tipps für Liegeplätze an Dalben, die ihm gehören. Er hat sie in der Wende erwoben, als andere Autos im Westen kauften. „Solche Zeiten muss man nutzen!“

Liddow

Der Bodden hat bereits 19° und wir baden ausgiebig, Rainer gezwungenermaßen.

 

 

 

 

Fischer Liddower Wiek

 

 

 

 

Am nächsten Tag liefern wir Rainer in Stralsund ab, er flitzt zum Bahnhof, damit er abends seine Hühner einsperren kann und wir erkunden die Stadt.

 

Hafen Kloss

 

 

 

 

Das Ziel der ersten Reise ist Zingst von der Boddeseite. Hier findet ein beachtetes Natur-Fotofestval statt. Wir nähern uns über die Reede von Barhöft, wo wir am 23.05. nochmals Anker werfen und einen Sonnentag mit Baden und faulenzen genießen.

Am 24.05. sind wir in Zingst. Die Fahrt zieht sich, das Wetter ist nicht so toll, der Wind kommt wieder von vorn, das Wasser wird erst bräunlich, im Fahrwasser von Zingst grünlich. Wir suchen nach dem besten Liegeplatz und bekommen einen Tipp von der Besatzung des Zeesbootes, die hier Boddenfahrten machen: geht mal zum Kloss-Hafen, da liegt ihr gut. Ein guter Tipp. Vom Cockpit aus können wir über die Insel Kirr blicken, der Service ist gut, der Hafenbesitzer ein netter Mann, der einmal im VEG Zingst gearbeitet hat, wo ich als Student im Sommer auch gearbeitet habe.

Fotofestival

 

Volker steigt ab und bezieht sein Appartement, wartet dort auf Freunde und Heidi kommt aus Rostock zu mir an Bord. Von hier aus erkunden wir Zingst und das Fotofestival.

Der Ort ist voll von Menschen mit Fotoapparaten, Profis mit Gruppen von Seminarteilnehmern, z.T. mit Modell und Laien, die animiert sind, alles zu knipsen. Nach zwei Tagen hängt mir der Rummel und die Poserei der Fotokünstler zum Halse raus.

 

abends Party am Strand

 

 

 

 

Wir machen eine Fahrradtour zum Prahmort. Die Landschaft hat sich sehr verändert. Wo 1970 noch Urwald war, gibt es jetzt Baumleichen und Nassflächen, Betreten verboten! Hier wird der Mensch ausgesperrt, aber wie soll man dann ein Gefühl für die Natur und Umweltschutz bekommen? Alle, mit denen wir reden (ein Hotelbesitzer, der Hafenmeister, die Leute unterwegs bedauern diese totalitäre Entwicklung sehr. Wir wandern noch zur Hohen Düne, aber da ist kein Strandzugang möglich. Ein erfrischendes Bad wäre sehr schön. Wie schön ist es da auf Hiddensee, wo man auf vielen Wegen über das Hochland oder die Heide laufen kann, oder wie schön war es in Butjardingen.

Scheiß Filmfestival

 

Adlerauge so scharf, wie meine CANON 70 D!

 

Ausguck

Am 28. Mai fährt Heidi abend ab und ich lese in alten Seefahrtsgeschichten. Lord Hawke, der die französische Flotte 1577 besiegte schreibt: „Eine minderwertige Mannschaft auf einem guten Schiff ist weniger wert als ein minderwertiges Schiff mit einer guten Besatzung.“ Ich werde mir also Mühe geben, wenn ich allein unterwegs bin.

 

 

 

mit Modell

 

 

 

Spiegelsaal

 

 

 

 

 

 

Seemann blau in blau

 

29.05. Reede Barhöft, herrliche Fahrt unter Großsegel mit raumem Wind. Als ich am nächsten Tag die Reede Richtung Neuendorf verlasse, kommen die ersten Regenschauer. Es ist richtig dunkel. Kein Segler auf dem Wasser, bis auf noch einem in einer Nußschale, Uli Keil.

 

 

 

 

 

 

 

30.05. Ankerplatz SO vom Leuchtturm Gellen. Es ist noch ein schöner Tag geworden mit übersetzen an Land und Baden auf der Seeseite, dann kommt der angekündigte Sturm, 8 Bf . Alle Kette raus und Abwarten. Auch am nächsten Tag geht es nicht weiter in den Jasmunder Bodden, ich bleibe am Platz. Ein Segler stampft mit gerefftem Groß gegen die Wellen vor Ummanz, wenig später holt ihn der Seenotrettungskreuzer wieder rein. Was hätte Lord Hawke dazu gesagt. Oder mein Freund sailing-rainer mit dem Motto live slow, sail fast?

Seeadler auf dem Weg

 

 

 

Ich bemühe mich noch mit einem Hahnepot das Schwojen vor dem Anker zu verringern, 10° aus dem Wind und das Boot kränkt auch 10°, aber das gelingt mir nicht.

Ankerplatz bei Schönwetter Hiddensee

 

 

 

 

 

 

 

Windflüchter auf Hiddensee

 

Da deutet sich schon etwas an

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ankerplatz hinter Hiddensee

 

 

Seenotrettung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

01.06. langsam geht es Richtung Süden, erst einmal nach Stralsund und dann weiter zur Glewitzer Wiek auf Anker. Mein Versuch zu angeln scheitert an der richtigen Einstellung, drei erfolglose Würfe, dann erst mal ein Bier. So wird einem nur düselig, ohne Fangerfolg.

Hier werde ich aber Teil eines Spiels, die Reise nach Jerusalem unter Anglern mit Motorbooten. Ein Angler in der äußersten Ecke der Wiek flitzt plötzlich mit vollem Speed in die gegenüber liegende Ecke, darauf verläßt der nächste seine Ecke und besetzt die frei gewordene usw. Am Spiel sind 5 Motorboote beteiligt und das Schauspiel wiederholt sich alle 45 Minuten, natürlich dicht am Ankerplatz vorbei mit max. Wellenschlag. Als ich aus der Wiek fahre bin auch ich Teil des Spiels, sofort wird mein Platz besetzt.

Vielleicht ist es aber auch der kollektive Versuch, die Fische in der Wiek zu desorientieren oder der Fischer gibt nur Angelscheine aus, wenn die Angler nebenbei die Fische in seine Reuse treiben?

Am 04.06. geht es weiter nach Wolgast in die Hornsche Werft. Abends gibt es im Alten Speicher Fischplatte mit Stippe! Ich bin begeistert, wie bei Muttern zuhause!

05.06. Besuch bei Dr. Peter Stadermann in Netzelkow. Ich wollte ihn nochmal nach Quellen zu seiner Behauptung befragen, dass durch die Intervention der Polen der Küstenkanalbau, beginnend am Schnatermann, eingestellt wurde. Aber Quellen wird es seiner Meinung nach nicht geben, das lief über die russ. Kommandantur. Peter Stadermann hat von 1968-72 in Rostocküber Schifffahrt promoviert.

Abends fahre ich weiter nach Neppermin, der dichteste Ort bei Bansin, wo Heidi über Pfingsten war. Sie besucht mich und bringt mir den reparierten Rechner (Aktualisierung des Reiseberichts) zurück. Ich bleibe noch, ein super Ankerplatz von allen Seiten geschützt. Am Scheitel der Bucht ein tolles Fischrestaurant mit Terrassen.

Neppermin am Abend

Zimmerleute auf der Walz reparieren gerade den Anleger für die "Weiße Lilie", ein holländischer Schoner, der hier seinen Liegeplatz hat und täglich mit Touristen das Achterwasser befährt. Leider slipt der Anker mal wieder in der schwarzen Mudde, ein neuer Anlauf , 20m Kette auf 3m und eine ruhige Nacht.

Heidi hat mich mit ihrer Tochter Julia, die in Berlin lebt in Neppermin besucht. Als Julia mich fragt, wie ich mich denn so die ganze Zeit auf dem Boot beschäftige und was mich antreibt, antworte ich mit ein paar Floskeln.

Was treibt einen erwachsenen Menschen allein mit dem Boot unterwegs zu sein?

Zuhause die heiße Dusche genießen und hier morgens am Ankerplatz ins Wasser zu springen? Das Segeln selbst, unter Ausnutzung der Kraft des Windes voran zu kommen? (Es hatte mich schon genervt, auf dem ersten Teil der Reise viel den Motor genutzt zu haben.) Und jetzt, allein, mit Zeit, treibt mich der Wind!

Die Abwechslung zwischen Geschäftigkeit beim Segeln und der Ruhe am Abend im Hafen oder am Ankerplatz? Bestimmt, ich vermisse nichts, habe kein Radio an und keinen Fernseher. Hier im Rügenschen Revier sind auch die Ankerplätze völlig leer und die Häfen meist auch. Heute ist hier in Lassan sogar die ganze Stadt leer, kein Mensch.

Die Herausforderung? Na klar, habe gerade einen Gewittersturm auf dem Wasser abgewettert. Steuerpilot hat es nicht geschafft, den Kurs zu halten, also im Hagel stehen. Da gibt es auch schon Bedenken, was passiert, wenn der Motor aussetzt in den engen Gewässern? Ich überlege schon die erforderlichen Handgriffe, scanne die in Frage kommenden Punkte am Boot und dann sieht man hinter der Front, dass es wieder heller wird. Also langsam (schnell geht es sowieso nicht, der Motor muss fast volle Drehzahl laufen, um den Kurs zu halten. Wir schaffen 1 kn voraus) und abwarten. Der Lohn dann, bei normalen Bedingungen in den schützenden Hafen einlaufen und es als Alleinsegler meistern, sicher anzulegen. Dann das verdiente Anlegebier. Gut gemacht!.

Und an einem anderen Tag geht es ganz easy, raumer leichter Wind, nur ein Segel oben und trotzdem 5 kn Fahrt! Im Naturhafen einen Biber beobachten, auf dem Steg steht ein Reiher, übereinem kreist der Seeadler. Mit dem Beiboot die Biberburg suchen und finden, Hopfensprossen sammeln für das Abendessen.

Und dann hat man ja auch wieder die Gelegenheit, unter Leute zu kommen, im Hafen, ich war beim Fotofestival in Zingst, fahre zum Blues nach Binz, treffe alte Freunde, Hafenmeister, Mitsegler und dann verkrieche ich mich wieder und bin eins mit mir und der Natur. Mich hat ein Thema des Fotofestivals besonders angesprochen: „Mensch und Meer“, Mensch ist Meer!

Konzept Mensch ist Meer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

07.06. Der Wind dreht auf SW und ich habe mir einen neuen abgelegenen Ankerplatz in der Krienker See ausgesucht. Der stellt sich aber überhaupt nicht geschützt dar, so dass ich bei zunehmendem Wind lieber gleich nach Lassan in den kleinen Hafen der kleinsten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns segle. Nur mit der Fock segle ich bei halbem Wind 6 kn.

Gewitter

Dann kommt die Gewitterfront schwarz, Fock weg, Motor an. Der Steuerknecht schafft es nicht, den Kurs mit 10° zum Wind zu halten, so dass ich im Regen und Hagel stehe. Ein Glück, dass mich der Schauer in offenem Wasser erwischt hat, auch wenn die kurze Boddensee hoch geht. Wolgast Traffik meldet auf Kanal 9 Gewitterböen Bf 9. Langsam voran, es kann nur besser werden und siehe am Horizont zeigt sich der erste blaue Streifen. Als ich in den Hafen von Lassan einlaufe, habe ich blauen Himmel und der Wind kommt nicht mehr im Hafen an.

Lassan wurde mir als Kleinod von meinem früheren Kollegen Erich und seiner Frau Margit empfohlen, die in Neeberg die "Galerie im Hühnerhof" betreiben. Für mich macht dieser Ort jedoch einen sehr morbiden Eindruck. Er soll von Künstlern und Gesundheitsaposteln geprägt werden, allerdings sehe ich keine Urlauber, ich bin das einzige Boot im Hafen, die wenigen Gaststätten öffnen erst ab 18 Uhr und bleiben dann auch leer. Ich verköstige mich im einzig offenen Bistro am Hafen mit vorgefertigter Ware in der Frittöse.

MOANAEin Kleinod entdecke ich doch! Der Bug der legendären MOANA,

die erste (?) Ferrozementyacht von Gerd Radspieler, dem Autor

vieler Revierführer Mittelmeer. Die Yacht wurde nach Plänen von

Horst Stichnoth, Bremen, in Eigenbau hergestellt und 1973 zu Wasser gelassen, 12 m lang, 2 m Tiefgang. Klaus und Uschi Schuster haben das Wrack entdeckt und bauen es mit viel Liebe und Sachverstand  wieder auf. Zwei Schwaben mit der Liebe zum Merr und Boot. Sie versöhnen mich etwas mit Lassan, "wir finden die Ruhe und das hier nichts passiert so schön, Hektik haben wir im Berufsleben im quirligen Schwaben".

Da haben sie auch wieder Recht.

 

 

 

 

Fischerboote Lassan

 

 

 

 

 

 

 

 

09.06. Leinen los in Lassan, langsam Richtung Wolgast segeln. Weit komme ich nicht, am Weißen Berg, nördlich Lütow ankern, baden, Mittag essen (Bauernfrühstück). Danach 17.45 Uhr die Brücke Wolgast und in den Segel-Club Wolgast am Tannenkamp. Auch ein kleines Idyll mit Blick auf Wolgast. Durch den weichen Schlamm geht es ganz gut an den Steg, wo die Leinen entgegen genommen werden und das Boot mit vereinten Kräften an den Steg gezogen wird. 

 

Ich gebe mein letztes Bargeld hin, rasiere meinen Bart ab, der seit Zingst gewachsen ist und nächsten früh geht es weiter nach Freest. Ich hatte mit Ingo Beier telefoniert (einem Mitglied im Rostocker Museumshafen) und wollte ihn und sein Bootsbauanwesen in Spandower Hagen besuchen.

10.06. Auf dem Weg begleitet mich die Wasserschutzpolizei und gibt mir Hinweise, wo es neben dem Fahrwasser sehr flach wird, danke. Sie kontrollieren heute die Angeberechtigungen und stoppen bei jedem Kahn.

bei Ingo

In Freest liegt der große Rettungskreuzer, aber die Aufregung im Hafen hat sich schon gelegt. Sie sehen, dass ich auf den Liegeplatz auf der Ecke zum Fischereibecken scharf bin und signalisieren mir, dass sie in 10 min ablegen. Ich rufe Horst, den netten Hafenmeister an und bekomme die Erlaubnis dort fest zu machen.

Der Seenotretter hatte drei Katamaransegler geborgen, die am Vorabend in eine Gewitterböe geraten und gekentert sind. Sie waren Anfänger und hatten die Zeichen am Himmel nicht erkannt. Fischer haben sie am Morgen auf dem Boot sitzend gesehen und den Rettungskreuzer alarmiert. So ging es ja schon dem Schnatermann!

Der DGzRS- Mann in Warnemünde hat mir mal erzählt, dass es seit der Freigabe bis 15 PS nicht mehr Seenotfälle gegeben habe. Ich kann das kaum glauben, ich habe auf meiner Reise jetzt schon zwei Seenotfälle beobachtet, die auf reine Unkenntnis zurückzuführen waren.

Es war sehr schön mit dem Hafenmeister Horst zu plaudern, der etwas von Seefahrt versteht (in Lassan macht den Job eine Schulsekretärin) und andernorts gibt es einen Automaten.

Bei Ingo Beier in Spandower Hagen hat sich viel auf dem Grundstück getan. Mehrere Boote waren dort zur Kur und eine Segelmacherwerkstatt gibt es auch. Im Ort feierte man gerade ein Sommerfest. Eine tolle Dorfgemeinschaft, die auch wieder wächst, nachdem der Ort durch das Atomkraftwerk aussterben sollte.

 

 

 

 

 

Seedorf Pfähle11.06. Nun will ich über den Greifswalder Bodden nach Rügen. Der Wetterbericht sagt bestes Wetter an, das sich aber die nächsten Tage nicht so halten wird. Noch im Hafen setze ich das Großsegel mit der Absicht, nach der beknackten Rinne mehr Segel zu setzen. Aber warum eigentlich? Ich würde viel zu früh ankommen. So schipper ich mit 4 kn über den Greifswalder Bodden, gehe baden, angle und kommen früh genug an den Reeckmannschen Pfählen in Seedorf an. Rolli (Rolf Carlos Reeckmann, bekannt aus der Traditionsschiffszene) hatte mich dazu ja eingeladen und seinen Neffen, Martin Liedke lerne ich an Land kennen. Er betreibt die Fischräucherei im Ort. Abends geht es noch in die Weinbar am Hafen, wo ich freundlich begrüßt und zum nächsten Event eingeladen werde (große Käseverkostungs-Show). Im letzten Jahr habe ich mich hier ziemlich fest gesetzt.

12.06. Heute ist das Wetter durchwachsen, viele Wolken. Ein Glück, dass ich gestern gleich hierher gesegelt bin. Hafentag. Am Tag kommt aber auch die Sonne heraus und der Wind dreht langsam auf West, so dass der Seedorfer Fjord noch besser abgedeckt ist. Ich werde die Zeit zum Wandern nutzen und auch noch ein paar Dinge einkaufen. Dabei erfahre ich auch, dass das Baggern im letzten Jahr eine Rinne durch den Selliner See mit 2,5 m erreicht hat und dass jetzt ein Hafen in Sellin mit 80 Liegeplätzen gebaut wird. Ich treffe alte Bekannte im Hafen Seedorf und Otto am Bollwerk Baabe.

16.06. Rainer und Birgit holen mich zum Blue Wave Festival in Binz aus Seedorf ab. Ein Wochenende mit Blues. Sehr schön wieder unser Quartier, wo wir auf dem Balkon sitzen und plaudern und über den Schmachter See weit ins Land schauen können. Im Ort rüsten die Blues-Bands. Am besten hat mir eine Nebennummer in der Hauptstraße gefallen, Big Tom (ein Arzt aus Itzehoe), mit traditionellem Blues.

 

 

Umzug

Big Tom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18.06. Heidi bringt mich zum Boot nach Seedorf zurück. Es wird warm, ich gehe Baden und langsam kommt der Bordalltag eines Einhandseglers zurück.

 

Seedorf1Landschaft in rot

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kornblume

Glockenblume

 

Am 19.06. bin ich früh los, um Brot zu kaufen und treffe Martin Liedke. Das ist die Gelegenheit mich zu verabschieden. Ich hatte noch überlegt, ob ich noch einen Tag bleiben sollte, aber nun ist es entschieden, Circe zum Trotz.

12.30 Uhr geht es los, mit wenig Wind, 3 Segel und 3 kn, dann 1,5 kn, 17 Uhr bin ich an der Ecke Palmort (13 sm). Dafür habe ich aber schön in der Sonne gelegen und bin 4-5 mal baden gegangen. Dann stelle ich den Motor an und bin 17.30 Uhr in der Glewitzer Wiek. Anker hält und los geht es mit dem Beiboot nach Puddemin. Das Restaurant hat geöffnet und ist ein Geheimtipp: freundliche Bedienung und hervorragendes Essen! Leider komme ich mit meinem Boot nicht so weit, max. Tiefgang 1,4 m ist möglich.

 

Ankerplatz Glewitzer WHimmel am Ankerplatz Glewitzer Wiek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20.06. In der Nacht habe ich noch weitere Kette gegeben, der Wind hat zugelegt, Böen 6 Bf. Seit Schweden, wo mein Boot von einem Ende der Bucht an das andere geslipt ist, bin ich um so vorsichtiger. Am Morgen rutscht dann auch ein Motorboot an mir vorbei. Auf dem Anker hängt ein riesiger Berg Seegras.

Da kommt mir die Idee, dass es auch aus Naturschutzgründen sinnvoll wäre, überall Ankerbojen auszulegen, wie in DK oder Schweden. Das wäre für die Wassersportler bequem und sicher und es werden auch keine Wasserpflanzen beschädigt. Und das an der gesamten Küste könnte eine schöne umweltgerechte Ausgleichsmaßnahme sein und man müsste keine Bauern enteignen, wie es gerade auf Rügen geplant ist.

Übrigens liegen heute 4 Segler und ein Motorboot auf dem Ankerplatz! Das gefällt mir, nicht nur Stubenhocker.

Am 21.06. hole ich um 12 Uhr den Anker ein, was nicht so ganz einfach war. Er hat sich richtig eingegraben und ich will es nicht mit Gewalt tun, außerdem habe ich ja auch viel Zeit. Brückenöffnung ist 15.20 Uhr und ich brauche ca. 2 Stunden. In Stralsund warte ich dann noch auf den Tankwart, der 16.30 Uhr kommt (40 l sind verbraucht).

Von Stralsund geht es Kurs Nord bei westlichem Wind (wie meine Wetterwelt von Meno Schrader vorausgesagt hat), Fock und Groß reichen, um 6 kn Fahrt zu machen. Mit mir segelt eine große moderne Charteryacht aus Breege und ein Folkeboot. Die Charteryacht fährt nur mit der Roll-Genua (wie das für Charteryachten üblich ist) und bleibt achteraus, das Folkeboot hält mit, holt immer wieder auf, wenn der Wind nachlässt und verliert in den Böen. Am Abend schläft der Wind langsam ein und das Folkeboot holt mich genau am Abzweig Richtung Jasmunder Bodden ein. Der Einhandsegler segelt Richtung Kloster auf Hiddensee weiter.

Ich hatte mir überlegt, nach Vieregge durchzusegeln oder mir notfalls einen anderen sicheren Platz zu suchen, wenn es am Freitag nass und windig wird, Böen bis zu Bf 8 sind vorausgesagt.

Hafen Vieregge

Der Platz in Vieregge passt, wieder Rolli Reeckmanns Pfähle und Brücke. In der Marina hatte man schon mit mir gerechnet, der Hafenmeister wartet. Man segelt bis vor die Marina und biegt dann ca. 20 m davor nach NO ab. Der Steg schließt unmittelbar an den Marinasteg an, ist aber durch ein „Grenzschild“ gekennzeichnet. Meine Eile auf den letzten 2 Meilen (Motor) und beim Festmachen 21.30 Uhr wird nicht mit einem frisch gezapften Bier belohnt. Das Hafenbistro ist schon lange geschlossen. Außerdem haben sie auch noch zwei Ruhetage in der Woche! (Wegen Reichtum geschlossen, wie so oft auf Rügen? Nein, die Besitzerin ist "Gute-Laune-Coach" und lehrt Work-Life-Balance, da gehört das einfach zum Geschäft. Aber, alles tote Hose hier! Ich sitze, wenn es mal geöffnet ist, allein hier, esw lohnt also für den Betreiber auch nicht. Vieregge ist ein Anglerhafen und die Angelsaison, zuerst Lachs, dann Hering und Hornfisch, sind vorbei. Auch im sehr schönen Feriendorf bleiben die Fenster abends dunkel. Noch ist nicht Ferienzeit. Es sollen dort aber wohl noch mehr Häuser gebaut werden.

Ich habe am 22.06. noch einen sehr schönen und sonnigen Tag und wandere nach Neuenkirchen (Kneipe und Kaufmann sind noch nicht geöffnet, es ist ohnehin kaum jemand im Dorf) und von dort über Laase nach Liddow. Ich sehe mir den Wasserweg noch einmal genau an und spreche mit Anglern. Man kann bis zur Brücke nach Liddow kommen, aber man muss die unbetonnte und nicht in der Karte bezeichnete Rinne genau treffen und den Schlamm beiseite räumen. Dann geht es zurück, zuerst zum Kaufmann Bunge (Geschäft seit 1913), ein kleiner Dorfladen in 3. Generation (wie in meiner Kinderzeit, fast: das Angebot natürlich nicht). Gleich an der Tür steht ein uralter Apothekenschrank mit Drogerieartikeln. Dort erfahre ich, wo Helmut Klaas wohnt, ein früherer netter Genossenschaftsvorsitzender, den gehe ich besuchen. Wir sitzen mit seiner Frau im Garten, trinken ein Bier zusammen und schwelgen in Erinnerungen. Er hat den Landwirtschaftsbetrieb durch die Umbruchszeiten gesteuert.

Dann schaffe ich es gerade noch einmal zum Kaufmann, von dort geht es in die Gaststätte. Das ist wieder ein Geheimtipp! Wie schon in Puddemin, tolle Küche und obwohl die Wirtsfamilie die Gaststätte schon seit 2004 betreibt, scheint es den Wirtsleuten richtig Spaß zu machen, ihre Gäste zu bedienen. Gut gestärkt trete ich den Rückweg an und komme vor dem Regen am Boot an.

In der Nacht nehmen dann Regen und Wind zu und ich werde sanft im Bett geschaukelt. Im Radio höre ich von Unwettern, vollgelaufenen Tunnels und umgestürzten Bäumen.

alles Künstler ehem. Fischer in LasseGasthaus Neuenkirchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaufmann Neuenkirchen

 

 

 

 

Am 24.06. wird im Wassersport- und  Heimatverein Grubnow die Sommersonnenwende gefeiertund gleichzeitig in der "Nacht der Nächte" ein neuer Teilbereich des Hafens für die Jugend eingeweiht.

Dorthin wandere ich und höre viele neue Geschichten aus der Region. Was mir auch hier auffällt und mich am Ende nervt, ist dass sich viele Leute hier nicht grün sind, nicht freundlich miteinander, sondern unfreundlich übereinander reden. Mir scheint es so, dass einige Begüterte oder Clevere und einige Fremde hier eine Goldgrube gefunden haben. Aber auch die Fleißigen und Umtriebigen ein gutes Auskommen haben. Auf der anderen Seite haben aber auch viele den Zahn der Zeit überhaupt nicht erkannt und sind nur unzufrieden, obwohl sie auf so einem schönen Flecken leben.

Ich gehe wandern, die Landschaft ist einfach toll. Und dann besuche ich Rolli Reeckmann noch einmal auf seinem Rittergut Liddow, das er gegen viele Widerstände erworben hat und liebevoll restauriert. Er erzählt mir von den Anfängen dort und seinen Aktivitäten zur Erhaltung alter Schiffe. Das Spantengerippe eines Kriegs-Fisch-Kutters liegt auf seinem Hof und wartet auf den Aufbau. 

Die Geschichten ergänzten sich mit den Erzählungen des früheren LPG-Vorsitzenden, Helmut Klaas, so habe ich eine runde Inselgeschichte gefunden.

Ich nehme erst einmal Abschied von der Insel, wandere noch einmal ins Wirtshaus Neuenkirchen, mache das Boot reisefertig.

Am 27.06. um 20 Uhr lege ich ab, trudle ganz langsam aus dem Rassower Strom in Richtung Hiddensee. Um 22 Uhr bin ich am Dornbusch und pünktlich setzt der Ostwind ein, der mich nach Hause bringen soll. Alle drei Segel sind oben, die Fock, das Groß und Besan und bald laufe ich mit 6 kn Richtung West. Um 4 Uhr bin ich um den Darsser Ort. Vor Wustrow möchte ich noch einen Dorsch angeln, streiche die Segel, aber erfolglos, nur Untermaßige, also weiter nach Rostock und mittags bin ich am Schnatermann fest.

Ein schöner erster Teil meiner Sommerreise (560 sm)!

Bevor es wieder los gehen kann zum zweiten Teil der Reise mit Heidi rund Seeland, muss eine Ölleitung am Motor (vom Turbolader zurück in die Ölwanne)

abgedichtet werden. Jeder weiß, was zwei Tropfen Öl in der Bilge für eine Sauerei machen. Das erledigt mein Motorenschlosser "Rübe" im Vorbeifahren, d.h. ich stoppe an der Pier in Gehlsdorf auf und setzt eine neue Dichtung ein, wie beim Boxenstopp in der Formel I. Ich putze alle elektrischen Kontakte  zum Anlasser, der manchmal zwei Startversuche brauchte, Kontaktspray an die Verbindungen zum Relais und jetzt scheint der Motor schon darauf zu warten, dass ich den Zündschlüssel endlich umdrehe, um freudig zu laufen.

22.07. Rostock, Sommerfest. Familie und Freunde treffen sich zum Feiern mit Catering und DJ.

Eigentlich wollten wir nur aufräumen und los, aber das Wetter spielt nicht mit. Regen, kein Wind und dann noch aus der falschen Richtung. Zum Glück haben wir ja die Wetterwelt von Meno Schrader, die uns das Wetter genau voraus sagt. Bisher hat immer alles gestimmt. Auch mein Freund Rainer Wäsch (sailing-rainer.eu), der gerade rund England segelt, berichtet von voller Übereinstimmung.

Wir wollen nun am Donnerstag starten, mit SW-Wind.

Streckenwetter Klintholm

 

 

27.07. klingelt der Wecker um 6 Uhr, 7 Uhr legen wir ab und sind um 8 Uhr aus den Molen. Vor den Molen gibt es dann einen Stau, die Celebrity Eclipse läuft ein und geht ins Werftbecken = Vollsperrung des Seekanals, die „Berlin“ wartet dahinter, die „Skane“ hat ohnehin Verspätung und die Korvette im Marinehafen kommt auch nicht raus, lebhafter Funkverkehr. Funke aus, wir sind gleich mit Kurs N aus dem Seekanal, um fast rechtwinklig durch das Verkehrstrennungsgebiet zu kommen. Zunächst haben wir noch gar keinen Wind und es wird richtig warm. Sonnencreme wird aufgetragen aber um 9 Uhr ist die Sonne hinter Schleierwolken verschwunden, die Luft ist noch zu feucht. Motor an und los, einige Seepocken wachsen schon am Rumpf und es ist ja ein weiter Weg. Wenn möglich wollen wir nach Klintholm. Mal wird das Wetter sonnig, dann lässt der Wind nach, die Segel flappen, dann zieht der Himmel zu und der Wind nimmt zu. Was ist besser? Für uns heisst es mal Sommergetränk, mal Lumumba. So kommen wir gut gelaunt um 18 Uhr in Klintholm an. Hier müssen wir allerdings eine halbe Stunde im Hafen nach dem richtigen Platz suchen. Plötzlich beschließen zwei Schweden, weil es ja eng wird ihre Boote ins Päckchen zu legen und wir bekommen den 1a-Platz im Hafen. 18.30 Uhr fest, 19 Uhr Fisch im Hafenrestaurant.

 

SteuermannAbend in Klintholm

 

Kurz vor dem Hafen konnten wir wieder dänisches Segeln beobachten, vor der Hafeneinfahrt noch einmal rennen, Motor was er hergibt, Rollfock zwischen den Molen einholen. Darauf werden wir uns wohl einstellen müssen.

Nebenbei hatte ich immer mal auf die Papierseekarten geschaut, sie stammen aus dem Jahr 2001 und mittlerweile ist eine Missweisung von 15° aufgelaufen. Also rechnen.

28.07. 7.15 Uhr erster Kaffee, 8 Uhr richtiges Frühstück, Duschen (ist ja im Preis inbegriffen, 170 DK /24 €).

9 Uhr Auslaufen, wir haben nur ca. 20 sm bis Rödvig. Wieder überholt uns eine große „Hanse“ mit vielen Männern an Bord kurz vor den Molen, um dann hilflose Manöver im Hafen zu veranstalten (Charterboot!). Wir fahren dann vorbei und ignorieren die Panik beim Steuermann. In der letzten Ecke finden wir einen der besten Plätze und sind 14.30 fest. Langsam füllt sich der Hafen und ist 16 Uhr dann ziemlich voll. Aber im westlichen Teil des Hafens gibt es noch ausreichend Platz zwischen Fischerbooten und dort befindet sich auch die bessere Toiletten-/Duschanlage und ein Fischrestaurant mit Abendbuffet. Wir bestellen Plätze und überfressen uns dann. Aber es ist alles da, bis hin zu den Kniepern, auch Fleisch und umfangreich Käse. Ich bin so voll, dass ich mich auf dem Boot gleich hinlege, Heidi sitzt noch draussen und hört die Liveband im Hafenrestaurant. Nachts müssen wir beide aufstehen, um unseren Durst zu löschen.

Für den 29. Haben wir Landgang geplant. Wir wollen zu Boesdal Kalkbruch und weiter zurHöjerup Kirche. Es gibt einen kostenlosen Bus, der hier die Sehenswürdigkeiten abklappert und man kann ein-/aussteigen, wo es einem gefällt.

 

 

Karavane an Möns Klint

 

 

 

Steuermann in Rödvig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Morgen regnet es erst einmal, aber der Regen soll nachlassen und später ganz aufhören. Mit den letzten Tropfen wandern wir los zum Boesdal Kalkbruch. Die erste Überraschung, hier findet gerade das Boesdal Festival statt, junge Leute in bunten Kleidern aus ganz Westeuropa haben das gesamte Areal mit Zelten u. a. gezimmerten Behausungen in Beschlag genommen. Die große Kalklagerhalle ist ein Konzertraum. Die Industrielandschaft ist bewusst in eine Kulturzone verwandelt worden.

Touribus

Blick von der Kirche Höjerup Stevens Klint

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir wandern weiter nach Höjerup zum Stevens Klingt mit der Kirche am Kliff, sehr beeindruckend. Dort warten wir auf den kostenlosen Touristenbus-Bus, der pünktlich kommt und uns nun fast 2 Stunden durch die Gegend kutschiert. Der Busfahrer erklärt uns die Sehenswürdigkeiten an der Strecke (Stevens Leuchtturm, das Gjorslev Schloss –das größte mittelalterliche Schloss Dänemarks-).

Am Abend ist wieder eine Zwei-Mann-Band im Hafenkiosk und spielt uralte Titel. Wir treffen einen Kollegen vom Verkäufer unseres Bootes aus Emden. Er war oft mit der Deep Blue mitgesegelt und hatte sie sofort erkannt. Von ihm erfahren wir auch, dass man im westlichen Hafenteil viel ruhiger liegt, während der Schwell durch die Marina kreiselt und erhalten einen Tipp für Kopenhagen.

30.07. Morgens heult der Wind in deTakelage der vielen Boote. Wir lassen uns Zeit, aber die Windrichtung stimmt und verspricht schnelle Fahrt. !0.30 Uhr lässt er etwas nach und wir legen ab. Um Stevens Klint geht es dann ganz langsam am Wind. Nachdem wir Stevens Klint gerundet haben weht es wieder stärker und nun mit halbem Wind laufen wir gut 7 kn. Das macht so richtig Spaß. Gewitter ziehen auf und alle Boote nehmen das Großsegel weg und segeln mit der Rollgenua und die meisten mitMotorunterstützung. Da es bei uns mehr Arbeit macht, die Genua einzuholen, lasse ich erst einmal alle Segel stehen und beobachte die Wetterentwicklung genau. Der Kern des Gewitters zieht um uns herum. Als die Sicht wieder besser wird, läuft noch ein Däne neben uns, alle anderen Segler sind kaum noch hinter uns auszumachen. 14.00 Uhr sind wir fest in Dragoer, allerdings im ersten Hafen hinter dem Fort. Derlebendigere Hafen liegt nördlich, aber es sind nur 500 m und alle gehören zusammen. Der Ort Dragoer ist super, nur zu empfehlen. Kleine enge Gassen, gepflegte kleine Häuser mit Malven davor, Kneipen und im Hafen das blühende Leben!

Dragoe HafenDragoe mit Lotsenturm im Hafen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

31.07. Von Dragoer nach Kopenhagen ist es ein Katzensprung, 2 Std. Das war so geplant, damit wir sicher einen guten Liegeplatz finden. Immerhin wollen wir dort ein paar Tage verbringen. 7 Uhr Frühstuck, 8 Uhr Duschen und Karte zurückgeben. 100 DKR geladen, 100 DKR zurück, Duschen ist im Preis inbegriffen 145 DKR.

8.30 Uhr Ablegen. Das Fahrwasser ist ganz schön befahren. Alle Schiffe bis 7 m Tiefgang scheinen die dänische Seite zu nutzen, auch riesige leere Tanker. Vor dem Flughafen von Kopenhagen ein Schreck, der Motor stottert und klappert. Runter und mit Handdieselpumpe nachgeholfen, der Motor erholt sich und läuft bald wieder normal. Offensichtlich hatte er Luft geschnappt.

10.30 Uhr sind wir im Freihafen, der Tipp von Peter aus Emden, und um 11 Uhr sind wir fest. Die meisten Boxen sind selbst für mein Boot zu schmal, also am Kopf oder in die Box an der Kai. Wir nehmen den Kopf, um Ruhe zu haben. Die Lagerhäuser rund um den Freihafen sind entweder in Wohnungen umgewandelt oder beherbergen Büros großer Firmen. Alles ist sehr aufgeräumt und ruhig. Auf einem Ponton ist eine alte Brücke eines Frachters gestellt und dient als Sanitärhaus. Sehr sauber, hier sind nur auf 5-6 Booten Leute anwesend, die übrigen Boote sind Dauerlieger, vermutlich von den angrenzenden Wohnungen. 500 m entfernt liegen die Kreuzfahrer, z.Z. die AIDA bella und das Meermädchen oder die Zitadelle sind auch nicht weiter weg.

Freihafen

Boote hinter uns im Freihafen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir machen noch einen Rundgang durch die Stadt und sind abends müde zurück. Bei dem Rundgang haben wir uns alle Häfen im Stadtzentrum angesehen, wir haben den besten! Mitten im Zentrum und trotzdem nicht von den vielen Touristen begafft, wie in Nyhavn oder Christianshavn. Übrigens, überall gab es noch freie Plätze.

Kopenhagen am Nachmittag

Leben am Wasser1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christiania1

Christiania

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den nächsten Tag fahren wir mit dem Zug nach Malmö. Auch Malmö hat uns sehr gefallen.

3. Tag in Kopenhagen wir lassen uns Zeit und trödeln nochmals durch die Stadt, es gibt so viel zu sehen, vor allem das Leben am Wasser, überall Straßencafe’s, Musik, Kneipen, relaxte Menschen. Wir ändern unseren Plan und bleiben noch länger, wollen morgen eine Kanalfahrt durch Kopenhagen mitmachen.

 

Am 06.08. verlassen wir Kopenhagen. 8 Uhr legen wir ab und wollen nach Dragoer, um Diesel zu tanken. Auf dem Weg nach Kopenhagen hatte der Motor in heftigen Wellen schon Luft gezogen, also lieber gleich den Tank weiter füllen. Mit Groß und Genua geht es mit halbem Wind auf den Weg. Wir laufen über 7 kn und sind schnell in Dragoer. Am Ende war es ein Am-Wind-Kurs und es war ein bisschen zu viel Segel. Heidi hätte Lust, noch einen Tag in Dragoer zu bleiben. Wir machen es vom Liegeplatz im geschäftigen (nördlichen) Hafen abhängig. Kein Platz, ist wohl noch zu früh, also weiter nach Fakse Landeplatz. und Richtung Heimat.

Kurz nach uns kommt  "Artemis" wohl auf dem Weg zur HanseSail und entgegen die Königliche Yacht "Dannebrog" Kurs Kopenhagen.

Artemis auch Richtung Rostock bei Dragoerkönigl. Yacht vor Dragoer

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Wind hat noch einmal zugelegt (West 5, Böen 6) und wir sind Der dänische Wetterbericht DMI wußte es schon,

meine Wetterwelt etwas später auch. Nur mit Großsegel und mitlaufendem Motor laufen wir 5 kn hart am Wind.

An Stevens Klint kommen wir etwas in Landabdeckunf und die Schiffsbewegungen lassen nach, aber da steht

auch eine dicke Wolke an der Ecke. Und so passiert es, eine Naht im Segel reißt und das Segel geht auf, wie

mit einem Reißverschluss.

 

Planänderung: Rödvig ist nicht weit. Im Hafen Segel nähen, eine Nahthälfte am Nachmittag. Abend essen gehen. Im Restaurant liegt der dicke dänische Hafenlods. Die Kellnerin sieht mein Interesse und schenkt mir das Buch. Es ist nicht mehr aktuell, aber trotzdem sehr hilfreich. Morgens wird die zweite Nahthälfte genäht und mittags bin ich fertig. 12.30 Uhr auslaufen, den kleinen Schlag nach Fakse Landeplatz. Übrigens sind die Häfen jetz nicht mehr voll, die Schule hat in Dänemark wieder begonnen.

Eigentlich wollte ich gerne zum Kalkbruch mit geologischem Museum, man kann dort Fossilien mitnehmen. Ich war schon einmal dort und das Kalkwerk hatte große fündige Brocken vor dem Werktor abgekippt, um die Fossiliensammler vom Werksgelände fern zu halten. Der Kalkbruch ist aber 5 km entfernt, das Wetter warm und etwas schwühl, so dass wir uns nach der Ortsbesichtigung (es gibt nichts zu sehen) wieder auf das Boot zurückgezogen und gefaulenzt haben. Der Sommer ist vorbei, die Schwalben sammeln sich.

Fakse LandeplatzFakse Landeplatz Spätsommer

 

 

 

 

 

 

Fakse Landeplatz war also ein Reinfall und es kommt schlimmer! Ich habe den Motor gestreichelt und noch etwas Motorenöl nachgefüllt, alles klar. Als wir gegen den Wind aus dem Hafen motoren, wird der Motor im engen Fahrwasser heiß, Seeventil nicht geöffnet! Jetzt war es zu spät, der Impeller hatte sich schon aufgelöst. Praesto konnten wir anliegen und auch bis in den Hafen segeln. Es soll ein netter Ort sein, sagte der Hafenmeister in Fakse Landeplatz. Also dahin und während der Fahrt, nur unter Großsegel, habe ich den Impeller gewechselt und die ersten Krümel des alten aus der Leitung gefischt. Vor der Einfahrt in den Praesto Fjord war ich damit auch fertig, aber es kam kein Tropfen Wasser aus dem Auspuff. Anlegen mit Segel klappt perfekt und dann an die Arbeit.

Das gesammte Kühlsystem Stück für Stück demontiert und gereinigt, ohne Erfolg. Duschen und Abendessen im Hafenrestaurant, Burger und eine Flasche Wein für 100 €! Auch noch unser teuerstes Essen!

Was tun? Der Wind hatte in der Nacht von Ost auf West gedreht. Auslaufen unter Segel war möglich. Der Wind sollte auch so bleiben und am Freitag auf Nord drehen. Eine Option, ohne Maschine rund Moen nach Hause segeln. Heidi hier lassen und mit Bus, Bahn und Fähre nach Hause schicken (hat Heidi abgelehnt, wenn, will sie mit). 2. Option, Mechaniker kommen lassen, im Ort gibt es keinen. Bei den Preisen hier?

Schlaflose Nacht! Früh mit Logik nochmals eine Stelle nachgearbeitet, da saß der Kloß, hurra. 12 Uhr auslaufen! Der Motor läuft und wir segeln nördlich Moen durch Boegoestroem und Kalvestroem zum Ankerplatz östlich von Taeroe. Ein Problem war, dass ich zwei Verschraubungen des Ölkühlers mit den alten Dichtungsringen nicht ganz dicht bekommen habe und im Motorraum bei höheren Drehzahlen eine riesige Sauerei entstand.

Der Abend am Ankerplatz war dann sehr schön und entspannend. Endlich allein in weiter Ferne, baden und Sonnenuntergang genießen.

Ankerplatz TaeroeBad am Ankerplatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen hatte sich eine ganze Menge Öl in der Bilge gesammelt und dieses Öl fehlte nun im Motor. Nächste Aufgabe Motoröl kaufen. Der Spruch meines Motormechaniker "Rübe". vorwärts immer rückwärts nimmer hat uns dann nach Vordinborg geführt. Heidi hat unterwegs Gefallen an den Stadtplänen und Hinweisen aus dem Smartphon gefunden und gab mir die Orientierung zur Tankstelle, 20 min Fußweg. Dort angekommen, waren es nur Karten-Zapfsäulen neben einem Supermarkt, heiß war es auch. Nette Dänen haben mich dann zu einer großen Tankstelle am Stadtrand gefahren, wo ich mein Öl kaufen konnte. 13 Uhr waren wir angekommen.

Ich wollte unbedingt noch in den Guldborgsund kommen, der Wind sollte ja auf Nord drehen und das würde uns sehr helfen, bis nach Rostock zu kommen. Also gleich wieder los 14.30 Uhr waren wir aus dem Hafen.    Mit Halbgas gegen den Wind, dann konnten wir wieder Segel setzen. 18.30 hatten wir die Brücke in Guldborg und 20 Uhr waren wir an den freien Ankerbojen vor Nyköbing. Ankern, Baden, Ruhe genießen.

11.08. Ich war schon früh wach und hatte die Brückenöffnungszeiten gegoogelt, 8.10 und 8.56 Uhr. Das ist fast eine Stunde, also los, nur Kaffee und die Brücke 8.10 Uhr. Wir hatten wirklich Südwind und glattes Wasser im Sund, Frühstück unterwegs.

Auf der Ostsee etwas westlicher als Nord, Kurs etwas östlicher als Süd. Großsegel, Genua und Besan brachten uns so schnell voran. Ankunft in Rostock, fest am Schnatermann 16.00 Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

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